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30 Jahre technische Beschneiung in Europa

International besetzte Tagung in Savognin

Der Sommer- und Winterkurort Savognin stand am 10. und 11. März 2009 ganz im Zeichen der Tagung, an der sich Verantwortungsträger touristischer Bahnunternehmen aus Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz sowie verschiedene Fachreferenten mit Fragen rund um die technische Beschneiung befassten. Der Anlass, an dem eine Hundertschaft von Persönlichkeiten aus Tourismus, Wirtschaft und Politik teilnahmen, wurde von Seilbahnen Schweiz (SBS) organisiert. Unter Bezugnahme auf die Geschichte und die Erfahrungen der letzten 30 Jahre ging es um Aspekte, wie die technische Beschneiung in Zukunft noch vermehrt den umwelt- und ressourcenfreundlichen Anforderungen gerecht werden kann. Unbestritten waren länderübergreifend Notwendigkeit und Nutzen der Beschneiungsanlagen für die Tourismuswirtschaft im Alpenraum mit ihrer ausgeprägten gesamtvolkswirtschaftlichen Bedeutung.


Kein Wintersport ohne technische Beschneiung
Hansjörg Trachsel, Regierungspräsident des Kantons Graubünden, betonte in seiner Grussbotschaft, dass es einen modernen Wintersport ohne Beschneiung nicht gibt,
Graubünden/Savognin zu den Pionieren in Sachen Beschneiung gehört und der Kanton im Zusammenhang mit Bewilligungen und Fördermitteln seinen Anteil leistet. Hans
Höhener, ehemaliger Regierungsrat des Kantons Appenzell AR und Präsident von Seilbahnen Schweiz (SBS), ging in seinem Einstiegsreferat auf die Geschichte der Beschneiung in der Schweiz ein und rühmte dabei die Experten des Institutes für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) Davos, die in enger Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz die Düsentechnik auf das „Swiss-Finish-Niveau“ zukunftsgerecht optimiert haben. »Der Siegeszug des Kunstschnees scheint inzwischen
unaufhaltsam. Wir haben die Ressource Energie - sparsam - im Griff. Und mit der technischen Beschneiung und dem damit beeinflussten "Erhalt" etablierter Skigebiete wird die Erschliessung neuer, höher gelegener und damit auch sensiblerer Gebiete weitgehend vermieden. Wir betreiben damit auch aktiven Umweltschutz». Prof. Thomas Bieger vom Institut für Öffentliche Dienstleistungen und Tourismus der Universität St. Gallen (IDT) beleuchtete die aktuelle Situation und wirtschaftliche Perspektiven in der Schweiz auf der Grundlage der Resultate eines Umfrageprojektes SBS/IDT. «Im Durchschnitt beschneien die grösseren Skigebiete in der Schweiz heute rund ein Drittel ihrer Pisten. Die Investitionen der Beschneiung belaufen sich pro beschneiten Pistenkilometer auf durchschnittlich Fr. 600'000.--. Jährlich kommen Unterhaltskosten pro Pistenkilometer von rund Fr. 20'000.-- hinzu. Die befragten Unternehmen sichern sich durch die Beschneiung 22% ihres Gesamtumsatzes. Dies insbesondere durch die
Saisonverlängerung von 18 Betriebstagen. Die Beschneiungsanlagen werden in Zukunft mit Schwerpunkt Sicherung der Talabfahrten und Ausbau eines umfassenden Angebots der Hauptpisten ausgebaut«.

Schneeanlagen gehören zum Grundangebot moderner Wintersportdestinationen
Im Vordergrund stand ferner der Gedanken- und Informationsaustausch der Führungskräfte der Seilbahnunternehmen, die aus Sicht der Praxis in ihren Ländern übereinstimmend die überlebenswichtigen Elemente der technischen Beschneiung für die Bahnunternehmen hervorhoben. Ohne diese Hilfsmittel kann der „Schnee für die Gäste und die Freunde am Wintersport“ nicht gewährleistet werden. Der Schweizer
Pionier in Fragen der Beschneiung, Leo Jeker, nannte die Schwierigkeiten der Anfänge und die späteren Erfolge für die Seilbahnunternehmen. Sein Fazit: »Damals war der
Bau von Schneeanlagen revolutionär. Der Schnee von gestern ist unser Schnee von morgen. Wir werden auch in Zukunft unsere Pisten beschneien, um unseren Gästen ein
optimales Winterangebot bieten zu können«. Christen Baumann, CEO der Zermatt Bergbahnen AG, und Christoph Egger, Mitglied der GL der Jungfraubahnen, unterstrichen das Muss einer Beschneiung aus der Perspektive ihrer Topunternehmen. Stefan Wirbser, Bürgermeister von Feldberg/Deutschland, Ingenieur Andreas Dorfmann, Direktor der Kronplatz Seilbahnen Südtirol/Italien, Serge Riveill, Direktor SNTF/Frankreich und Michael Manhart, Technischer Rat der Skilifte Lech/Österreich, brachen die „Schneelanze“ im Interesse sicherer und optimaler Wintersportbedingungen aus der Warte ihrer Länder. Der Vorteil von Beschneiungsanlagen für die Qualitätsoptimierung und Gewährleistung der Sicherheit des Pistenangebots sind die übereinstimmenden Erkenntnisse der Tagung. Schneeanlagen gehören in jedem Falle zum Grundangebot moderner und zeitgemässer Wintersportdestinationen.

Wachsende Akzeptanz gegenüber der technischen Beschneiung
Am zweiten Tag sprach Hansueli Rhyner, vom SLF über die Perspektiven einer nachhaltigen Entwicklung der Beschneiung auf der Basis der SLF-Studie. Die Studie
„Klimawandel und Wintertourismus - Ökonomische und ökologische Auswirkungen von technischer Beschneiung“ des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF
zeigt u.a., dass die Beschneiungstage in verschiedenen Höhen unterschiedlich stark abnehmen werden. Die Studie zeigt weiter, dass der Energieverbrauch für die
Beschneiung im Untersuchungsgebiet Davos ca. 0.6 % des gesamten Energie-
verbrauchs der Gemeinde beträgt, dass hingegen der Wasserverbrauch durch die technische Beschneiung im Verhältnis zum gesamten Wasserverbrauch in den Untersuchungsgebieten nicht zu unterschätzen ist. Die Gästebefragungen in den Untersuchungsgebieten zeigen eine wachsende Akzeptanz gegenüber der technischen Beschneiung und dass bei der Wahl der Destination die Schneesicherheit ein wichtiger, aber nicht der einzige Faktor ist. Die Schneesicherheit wird aber vom Gast vermehrt als selbstverständliches Grundangebot vorausgesetzt.

Finanzierungsmodelle von Schneeanlagen
Rico Monsch, Mitglied der Geschäftsleitung der Graubündner Kantonalbank, informierte über die öffentliche und private Finanzierung von Schneeanlagen: »Die Banken in unserem Land stehen vor grossen Herausforderungen. Sie sind Teil der Wirtschaft und tragen damit eine grosse Verantwortung, ihre Firmenkunden – und damit auch unsere Seilbahnen - durch die derzeit unruhigen Gewässer zu begleiten. Dabei ist eine längerfristig ausgelegte Risikobereitschaft von wesentlicher Bedeutung. Touristische
Transportunternehmen sind imagebildende Dienstleistungsanbieter einer Region. Sie bestimmen die Attraktivität einer ganzen Destination und spielen eine zentrale Rolle in der Wertschöpfungskette. Zusammen mit ihren Finanzierungspartnern bilden sie eigentliche Schicksalsgemeinschaften. Wo nötig, sind auch Problemlösungen gemeinsam und nach dem Prinzip der „Opfersymmetrie“ zu suchen. Beschneiungsanlagen schaffen in jedem Falle Mehrwert. Die finanziellen Auswirkungen von Investitionen in Schneeanlagen sind demzufolge nur im Gesamtkontext einer Gesellschaft zu beurteilen».

Zukunftsperspektiven der Seilbahnbranche
Zum Abschluss der Tagung umriss Dr. Peter Vollmer, Direktor von Seilbahnen Schweiz, gestützt auf die zweitägigen Diskussionen, die Zukunftsperspektiven für die
Seilbahnbranche: »Die Seilbahnen sind eine wichtige touristische Leitbranche. Ohne perfekt funktionierende Seilbahnen und einem einwandfreien Pistenangebot kann keine Winterferiendestination prosperieren. In diesem Kontext hat die Beschneiungssituation heute in der Schweiz eine ganz andere Dimension als noch vor fünf oder acht Jahren. Investitions- und Betriebskosten sind hoch und werden noch steigen. Auch die Ansprüche der Schneesportler sind höher. Die Unternehmen sind darum bestrebt, die Qualitäts-
standards zu halten und sogar zu optimieren. Um den künftigen Ansprüchen von Kunden und Unternehmen zu genügen, ist mehr Wissen und Können jener Mitarbeitenden nötig, die für die Beschneiung zuständig sind. Ebenso ist der Informationsaustausch zwischen den „Schneemachern“ zu fördern. In diesem Bemühen bietet Seilbahnen Schweiz zusammen mit der Vereinigung Technisches Kader (VTK) ein Kursprogramm unter dem Titel „Optimierung der technischen Beschneiung“ an».

Rückfragen:
Roman Weissen, Kommunikation
031 359 23 14

Download

MM_30_Jahre_Beschneiung_d.pdf (189.4 kB)


Unterlagen und Referate


 
Seilbahnen Schweiz SBS Dählhölzliweg 12 CH-3000 Bern 6 Tel 031 359 23 33 info@seilbahnen.org
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