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Ein Gespräch mit Christoph Egger, Mitglied des OK Lauberhornrennen

Die 82. internationalen Lauberhornrennen 2012 wird wiederum zu einem Grossanlass mit Werbeeffekt und Ausstrahlungskraft für Wintersportland Schweiz.
Das Lauberhornrennen ist der grösste und bedeutendste jährlich wiederkehrende Winter-Sportanlass der Schweiz. Alleine die Entwicklung der Zuschauerzahlen in den letzten drei Jahren von 52 500 im 2009 auf 62 000 im 2011 sind ein eindrücklicher Beweis für die Attraktivität und Anziehungskraft, welche dieser traditionelle Skianlass auf die Massen ausübt. Das Lauberhornrennen verzeichnet beim Schweizer Fernsehen jährlich absolute Spitzeneinschaltquoten von über einer Million Zuschauer beim Abfahrtsrennen – das ist unbezahlbare Werbung für den Austragungsort, seine Region und die Wintersportdestination Schweiz. Die USP’s (Skifahren vor dem schönsten Panorama der Welt, Schneesicherheit) werden optimal zu unserem Zielpublikum getragen.


Der Mythos «Lauberhornrennen» hat aber auch eine enorme Bedeutung für die Region und löst jedes Jahr eine Wertschöpfung von 13 Millionen Franken aus. Die Region hat dieser Bedeutung zuletzt mit der Gründung eines breit abgestützten Trägervereins Rechnung getragen. Alle wichtigen Institutionen und Unternehmungen sind diesem Verein beigetreten und unterstützen Anlass und OK in der Bestrebung, den Anlass weitere 80 Jahre auf Weltklasseniveau zu halten, ja ausbauen zu können. Wir nutzten im Rahmen der Lauberhornrennen die Gelegenheit, uns mit Christoph Egger, Vorstandsmitglied von Seilbahnen Schweiz, Direktor der Schilthorn Bahnen AG und OK-Mitglied der Lauberhornrennen, über diesen Anlass und seine Bedeutung zu unterhalten.

Roman Weissen: Wengen hat im weltweiten Weltcup-Zirkus einen absolut einmaligen Charakter: die Zufahrt zum Kurort ist nur mit der Zahnradbahn möglich, die Logistik umständlich. Die Jungfraubahnen leisten für diesen Anlass alljährlich einen riesigen Effort.
Christoph Egger: Es stimmt. Die ganze Region, aber vor allem auch die Jungfraubahnen leisten für diesen Anlass tatsächlich einen riesigen Aufwand. Die Jungfraubahnen und die Jungfrau Ski Region unterstützen die Lauberhornrennen jährlich mit rund 1,8 Millionen Franken, in Form von Cash- und Sachleistungen. Die grösste Herausforderung stellt dabei der Gütertransport, welcher jeweils bereits Ende November mit dem Gerüstmaterial beginnt und Ende Januar mit den letzten Abtransporten endet. Alleine die Lokführer der Wengernalpbahn leisten pro Jahr hunderte von Überstunden, die für das Unternehmen mit rund 280 000.– Franken beziffert werden.

Und wie steht es mit der Bewältigung des Zuschaueraufmarsches?
Ja, eine zentrale Herausforderung ist der Zuschauertransport an den Renntagen. Die stark steigenden Zuschauerzahlen konnten nur mit einer ständigen Optimierung der Transportkette bewältigt werden. Das System hat mittlerweile die Kapazitätsgrenzen erreicht. Ein alles bestimmender Faktor ist die technische Beschneiung, die Pistenpräparation und Herrichtung der Rennstrecke, welche von den Jungfraubahnen in jeder Hinsicht – personell und finanziell – mit allen Mitteln unterstützt wird. Es ist nun mal so, dass die Anforderungen der FIS, der Rennfahrer und des Organisationskomitees hoch sind. Wir stellen ein grosses Know-How zur Verfügung und sind flexibel im Einsatz unserer Mittel.

Stichwort Beschneiung: hätten die Lauberhornrennen 2011 ohne Beschneiung überhaupt stattfinden können?
Nein. Wengen würde ohne Beschneiungsanlagen nicht einmal mehr auf dem Weltcup-Kalender erscheinen. Die Anforderungen an eine Weltklasseabfahrtsstrecke sind heute sehr hoch, nicht zuletzt aus Sicherheitsüberlegungen. Die FIS würde heute keine Weltcuprennen mehr an Orte ohne Beschneiungsanlagen vergeben. Das OK Lauberhornrennen und die Jungfraubahnen bewirtschaften seit 1998 gemeinsam eine Beschneiungsanlage für die Abfahrtsstrecke und den Slalomhang. Prioritär werden im Hinblick auf die Veranstaltung die Rennstrecken beschneit. Es versteht sich, dass wir in jedem Fall auch die Bedürfnisse der Pisten für die üblichen Wintersport treibenden Gäste in keinem Fall vergessen. Nach dem Motto «der Gast ist König» tun wir alles, dass sowohl die Renngäste als auch die übrige treue Kundschaft königlich betreut wird. Der Aufwand für den Betrieb dieser Beschneiungsanlagen beträgt pro Jahr rund 400 000.– Franken, sichert aber im Gegenzug eine Wertschöpfung, welche alleine für das Wochenende der Lauberhornrennen rund 13 Millionen Franken beträgt. Der Werbewert der Veranstaltung ist in diesem Betrag natürlich noch nicht eingerechnet.

Die technische Beschneiung ist das A und O?
Tatsächlich ist es so. Die technische Beschneiung ist heute nicht mehr wegzudenken. Angesichts des eindrücklichen Kosten-Nutzen-Verhältnisses erübrigen sich denn auch jegliche Diskussionen über Sinn oder Unsinn der Beschneiung. Eiger, Mönch und Jungfrau sind jene Berge, die für unsere Destination eine enorme Anziehungskraft haben. Wir können nicht nur die Fotografen empfangen. Wenn die Wintersportler wegen Schneemangel nicht zu uns kommen und die Lauberhornrennen abgesagt werden, dann wird es für die gesamte Tourismuswirtschaft zum Problem. Das Manna fällt so oder so nicht vom Himmel.

 
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