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Fragen und Antworten zur Bergbahnfinanzierung

Die Autoren des Handbuches Bergbahnfinanzierung, Prof. Dr. Christoph Lengwiler und Prof. Dr. Philipp Lütolf von der Hochschule Luzern, sowie Dr. Peter Vollmer, Direktor von Seilbahnen Schweiz (SBS) nehmen zu Besonderheiten und Problemen der Bergbahnfinanzierung Stellung.

Gibt es bei den Bergbahnen akute Finanzierungsprobleme?

Vollmer: Bei Bereitstellung einer ausgewogenen Finanzierungsbasis für die Bergbahnen ist eine der wichtigsten Aufgaben der Organe der Unternehmen. Es ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, die für den unternehmerischen Erfolg massgebend ist. Die Finanzierung bildet oft den Engpass für die Realisierung von Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen. Es gibt immer wieder Projekte, die scheitern oder redimensioniert werden müssen, weil sie sich nicht finanzieren lassen. Es zeigt sich auch immer wieder, wie aufwändig und schwierig es ist, Eigenkapitalerhöhungen zustande zu bringen und die erforderlichen Kredite zu beschaffen.

Lengwiler: Wenn der Business Case stimmt, ist die Finanzierung von Bergbahnen relativ einfach. Deshalb ist es wichtig, dass die Bergbahnen ihre Hausaufgaben machen und einen ausreichenden Cashflow sicherstellen. Es müssen innovative Wege gesucht werden, wie die Kosten gesenkt und die Erträge gesteigert werden können. Es müssen auch Synergien in der jeweiligen Destination genutzt werden (Kooperationen, Fusionen). Zudem müssen die Modernisierungsprojekte der Bergbahnen überzeugend und professionell „verkauft“ werden.


Welche Bedeutung hat das Eigenkapital für die Bergbahnfinanzierung?

Lütolf: Bergbahnen benötigen hohe Investitionen und die Nutzungsdauer der Anlagen ist meist sehr lang. Die getätigten Investitionen müssen über 15-30 Jahre über den erwirtschafteten Cashflow zurückgeführt werden. Das Eigenkapital ist langfristiges Kapital und bildet damit quasi den Grundsockel für die Bergbahnfinanzierung. Ein hohes Eigenkapital reduziert die Belastung durch Fremdkapitalzinsen und -amortisationen. Es stellt auch einen Risikopuffer dar und erleichtert die Fremdfinanzierung. Bergbahnen sollten deshalb einen Eigenfinanzierungsgrad von mindestens 40% anzustreben.


Wie kommt eine Bergbahn zu neuem Eigenkapital?

Lengwiler: Nur die wenigsten Bergbahnen sind in der Lage, klassische Finanzinvestoren anzusprechen. Das Eigenkapital muss im Umfeld der Bergbahnen bei den direkten und indirekten Nutzniessern aufgetrieben werden (Kunden der Bahn, Feriengäste, Lieferanten, lokales Gewerbe, lokale Bevölkerung, Gemeinden etc.). Es lohnt sich einen breiten Kreis von Kleinaktionären anzusprechen. Anderseits werden grössere Kapitalerhöhungen wohl nur realisierbar sein, wenn gezielt Grossaktionäre gewonnen werden können.

Lütolf: Interessant ist ja, dass die meisten Bergbahnen über ein breites Aktionariat verfügen und damit als Publikumsgesellschaften bezeichnet werden können, obwohl ihre Aktien nur ausserbörslich gehandelt werden. Die Bergbahnen sollten deshalb grossen Wert auf die Aktionärspflege legen. Zum einen sind die vielen Aktionäre Kunden der Bahn und damit eine zentrale Zielgruppe für das Marketing. Zum andern ist es leichter, Kapitalerhöhungen erfolgreich durchzuführen, wenn man zufriedene Aktionäre zur Zeichnung neuer Aktien motivieren kann.


Wieso engagiert sich die öffentliche Hand bei der Bergbahnfinanzierung?

Vollmer: Der Grund liegt in der hohen regionalökonomischen Bedeutung der Bergbahnen. Die Bergbahnen sind das Rückgrat der touristischen Infrastruktur in der jeweiligen Region. Die grosse Bedeutung der Bergbahnen für die Region veranlasst Gemeinden, sich bei der Finanzierung der Bergbahnen zu engagieren, indem sie beispielsweise als Grossaktionäre Aktien zeichnen. Im Rahmen der neuen Regionalpolitik des Bundes leisten der Bund und die Kantone durch vergünstigte Darlehen oder andere Formen von finanziellen Beihilfen Unterstützung bei der Bergbahnfinanzierung.

Lütolf: Die direkten und indirekten wirtschaftlichen Effekte der Bergbahn als touristische Infrastruktur und wichtiges Element der regionalen Wertschöpfungskette erklären ja auch, weshalb viele Bergbahnen in der Region Aktionäre finden, obwohl sie nicht in erster Linie hohe Renditen und Wertsteigerungen, sondern den langfristigen Fortbestand und selbsttragenden Betrieb der Bergbahnunternehmung versprechen.


Welche Grundsatzfragen stellen sich für die Fremdfinanzierung?

Lengwiler: Wir empfehlen, vor allem im Hinblick auf grössere Investitionsprojekte, rechtzeitig ein Grobkonzept für die Finanzierung zu erstellen. Als erstes stellt sich die Frage, welche Finanzierungsalternativen es gibt. Diese sind abgesehen von NRP-Darlehen und allenfalls Krediten durch Lieferanten eher beschränkt, zumal wir empfehlen, im direkten Umfeld der Nutzniesser der Bergbahnen eher Eigenkapital als Fremdkapital zu beschaffen.

Lütolf: Hinsichtlich der Bankkredite müssen beispielsweise Überlegungen gemacht werden, ob Kreditverhältnisse mit einer oder mehrere Banken eingegangen werden sollen. Wichtig ist, dass man mit Kreditgebern zusammenarbeitet, welche längerfristig verlässliche Partner sind.

Lengwiler: Es stellt sich auch die grundsätzliche Frage, wie die Kredite strukturiert werden sollen (Laufzeiten, Amortisationen, Kündigungsmöglichkeiten, Sicherheiten, Covenants etc.). Dabei ergeben sich immer Zielkonflikte, weil mehr Flexibilität und Sicherheit seitens der Bergbahn oft mit höheren Zinskosten erkauft werden müssen. Hier ist empfehlenswert, sich durch die Banken verschiedene Lösungen aufzeigen zu lassen und gut zu verhandeln, damit für die Bergbahn schlussendlich eine optimale Lösung herausschaut.


Inwieweit macht Leasing als Finanzierungsalternative Sinn?

Lütolf: Wenn für Bergbahnen ein Finanzierungskonzept gemacht wird, gehören heute in der Regel Leasingfinanzierungen als Teil des Finanzierungsmixes dazu. Leasingfinanzierungen haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Leasingfinanzierungen sind teilweise flexibler und sie können zu günstigeren Konditionen angeboten werden als Unternehmenskredite. Klassische Einsatzmöglichkeiten sind etwa bei der Finanzierung von Pistenfahrzeugen oder bei den elektro-mechanischen Teilen der Bahnanlagen.


Welchen Nutzen erhoffen Sie sich durch das Handbuch für die Bergbahnbranche?

Lengwiler: Wir wollen mit dem Handbuch Zusammenhänge erklären und Tipps geben, wie Finanzierungskonzepte erstellt und Finanzierungsmassnahmen erfolgreich geplant und realisiert werden können. Wir sind uns jedoch bewusst, dass jedes Bergbahnprojekt seine Besonderheiten aufweist und dass man deshalb keine Patentrezepte geben kann. Letztlich liegt es immer an den verantwortlichen Geschäftsleitungsmitgliedern, Verwaltungsräten und Beratern, das genaue Vorgehen zu planen und innovative Lösungen zur Sicherstellung der Finanzierung für die Bahn und die geplanten Projekte zu finden. Dabei spielen das Beziehungsnetz und ein gutes Verhandlungsgeschick oft fast eine grössere Rolle als die ebenfalls wünschbaren soliden Fachkenntnisse.

Vollmer: Wir haben immer wieder festgestellt, dass die Verantwortlichen der Bergbahnen in Finanzfragen unsicher sind. Das Handbuch Bergbahnfinanzierung wird hier die Möglichkeit geben, sich fachlich à jour zu bringen und für die Lösung von Finanzierungsproblemen inspirieren zu lassen. Es hat mich sehr gefreut, dass es sehr praxisnah geschrieben wurde. Wir erhoffen uns auch, dass das Handbuch den Banken einige Erkenntnisse zur besonderen Problematik der Bergbahnfinanzierung bringt und die Kommunikation mit den Kunden erleichtern wird.


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Fragen_und_Antworten_Bergbahnfinanzierung_d.pdf (26.6 kB)

 
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