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«Die Scherben zusammenwischen, aufstehen und gemeinsam voranschreiten»

> Service > E-Newsletter > TOP NEWS > 6-2020 > «Die Scherben zusammenwischen, aufstehen und gemeinsam voranschreiten»

An der Generalversammlung im Oktober 2019 ist Hans Wicki zum Präsidenten von Seilbahnen Schweiz (SBS) gewählt worden. Im Interview zeigt der Nidwaldner Ständerat auf, welchen ersten Eindruck er vom Verband gewonnen hat, welche Ziele er verfolgt und wie es gelingen soll, die unterschiedlichen Erwartungen der SBS-Mitglieder zu erfüllen.

Hans Wicki, wenige Monate nach Ihrem Amtsantritt befindet sich die Seilbahnbranche in einer bisher noch nie erlebten Situation: Mitte März mussten die Skigebiete wegen der aktuellen Coronavirus-Krise die Saison abrupt beenden.
Ja, die aktuelle Lage ist wirklich aussergewöhnlich und schwierig für die Seilbahnunternehmen. Ich denke, alle sind sich einig: Die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung hat oberste Priorität. Nach der kurzfristig vom Bund verfügten Schliessung der Skigebiete waren alle Betroffenen extrem stark gefordert; die Seilbahnunternehmen selbst, die Behörden und auch die Geschäftsstelle von Seilbahnen Schweiz. Unsere Mitarbeitenden wurden regelrecht mit Fragen überhäuft. Selbst jetzt, ein Monat nach der Schliessung der Skigebiete, sind noch viele Detailfragen offen. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die Behörden in dieser kurzen Frist noch nicht alles regeln konnten.

Wie geht es nun weiter für die Seilbahnbranche?
Unsere Mitglieder haben viele Fragen. Seilbahnen Schweiz hat dafür auf der Coronavirus-Webseite Informationen und Hilfestellungen für die Mitglieder zusammengestellt. Zudem haben wir den Bundesrat umgehend schriftlich aufgefordert, die massiven negativen Auswirkungen der behördlich verfügten Schliessungen sehr rasch und unbürokratisch abzufedern. Wir haben konkrete Vorschläge gemacht, unter anderem bezüglich Kurzarbeit oder der Liquiditätssicherung. Es gilt zu verhindern, dass Unternehmen durch die behördlich verfügte Betriebseinstellung ihre Existenz verlieren. Ich stelle fest, dass der Bund bereits diverse Massnahmen eingeleitet hat, die in die richtige Richtung gehen. Aber wirklich gelöst sind die immensen Probleme natürlich noch lange nicht. Vor allem die ausbleibenden internationalen Touristen werden der gesamten Seilbahnbranche noch lange Kopfzerbrechen bereiten. Der Weg in die Normalität wird steinig und hart sein. Der Vorstand und die Geschäftsstelle werden alle Hebel in Bewegung setzen für unsere Mitglieder, damit wir diese Probleme gemeinsam und gut meistern.

Wagen Sie einen Ausblick?
Was die kommende Sommersaison betrifft, wage ich keine Prognose. Denn es hängt nun primär davon ab, wie schnell wir die Einschränkungen rückgängig machen können und wie schnell sich die Welt und der Tourismus wieder erholt. Ich wünsche allen Betroffenen, dass sie die nötige Geduld, den Mut aber auch die Standfestigkeit haben, die es jetzt braucht. Es bringt niemanden weiter, den Kopf hängen zu lassen. Ich weiss, alle geben ihr Bestes und leisten Sondereinsätze. Mein herzlicher Dank geht an alle SBS-Mitglieder und an die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle. Ich hoffe, dass der Albtraum bald vorbei sein wird und wir alle die Scherben zusammenwischen, aufstehen und wieder voranschreiten können – das tönt jetzt vielleicht etwas pathetisch, aber genau das müssen wir nun tun. Und ich bin zuversichtlich: Die Seilbahnbranche schafft das!

Verlassen wir das Thema Coronavirus. Sie sind seit einem halben Jahr SBS-Präsident. Doch mit der Seilbahnwelt sind Sie schon viel länger vertraut. So präsidieren Sie zum Beispiel seit 2016 den Verwaltungsrat der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG. Hilft Ihnen diese Erfahrung bei Ihrem Amt als SBS-Präsident?
Auf jeden Fall. Dank meiner Funktion bei den Titlisbahnen kenne ich die Freuden und Leiden der Seilbahnbranche. Die Erfahrung von der Basis hilft mir bei der Beurteilung von Fragen auf Dachverbandsebene – dies habe ich bereits in den ersten Monaten als SBS-Präsident immer wieder gemerkt. Ich spüre auch seitens Mitglieder, dass sie es schätzen, einen Präsidenten mit Branchenerfahrung zu haben.

Welchen Eindruck haben Sie bis anhin von SBS als Verband gewonnen?
SBS befindet sich aktuell in einer etwas unruhigen Phase, unter anderem, weil im Frühling 2019 der damalige Direktor den Verband verliess. Die Geschäftsstelle funktioniert dennoch gut. Wir können auf erfahrene Mitarbeitende zählen, die das Schiff auch in unruhigeren Gewässern gut auf Kurs halten. Das finde ich toll.

Welche Ziele haben Sie sich für den Verband gesetzt?
Ich möchte SBS zu einem schlagkräftigen Verband machen. Der Verband soll die Branche aktiv mitgestalten – das heisst, dass wir künftig stärker vorangehen wollen und weniger reaktiv handeln. Wichtig hierfür ist aber, dass alle am gleichen Strick ziehen – und vor allem in die gleiche Richtung. Zurzeit überdenken wir deshalb im Vorstand die Organisation des Verbands und wie wir ihn am besten auf die zukünftigen Herausforderungen ausrichten können. Es sind verschiedene Task Forces an der Arbeit. Dazu gehört auch, dass wir die Beziehung zum Bundesamt für Verkehr verbessern wollen.

Wie weit sind die Arbeiten der Task Force «Organisation und Struktur»?
Diese Task Force hat in den letzten drei Monaten durch eine externe Person eine Analyse der Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV) erstellen lassen. Gestützt darauf werden wir im Vorstand das weitere Vorgehen beschliessen und dann auch den designierten neuen SBS-Direktor Berno Stoffel einbeziehen.

In den vergangenen Jahren hat es sich gezeigt, dass die Ansprüche der Regionen an den Verband zum Teil unterschiedlich sind. Wie gehen Sie damit um?
SBS ist mit seinen über 350 Mitgliedern – von Kleinskiliften bis zu grossen Bergbahnunternehmen – sehr heterogen. Dass da die Erwartungen der Mitglieder an den Branchenverband sehr unterschiedlich sind, verstehe ich. Wir werden versuchen, Schritt für Schritt den Ansprüchen der Mitglieder gerecht oder zumindest gerechter zu werden. Dazu werden wir im Vorstand und mit dem neuen Direktor die Strategie überdenken und wo nötig anpassen. Auf dieser Basis werden wir Handlungsfelder und Massnahmen definieren und diese priorisieren. Ich hoffe, dass wir damit die Ansprüche von möglichst vielen Regionen erfüllen werden.

Der Name des neuen Direktors ist im Interview bereits mehrmals gefallen. Am 1. Oktober 2020 wird Berno Stoffel sein Amt antreten. Was erwartet ihn?
Berno Stoffel ist ein ausgewiesener Tourismus- und Bergbahnprofi, der mit vielen Dossiers von SBS bereits vertraut ist. Auch verfügt Berno über die nötige Führungserfahrung und kennt als Präsident der Walliser Bergbahnen auch die Verbands- und Lobbyarbeit. Berno wird eine zentrale Rolle spielen bei der künftigen Positionierung des Verbands. Eine konkrete Herausforderung ist aus meiner Sicht zum Beispiel, das technische Fachwissen innerhalb des Verbandes breiter abzustützen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Berno Stoffel – ich bin überzeugt, dass er unseren Verband voranbringen wird.

Hans Wicki

Hans Wicki hat letzten Oktober in seiner Rede nach seiner Wahl zum SBS-Präsidenten bereits angedeutet, dass er an der Spitze von Seilbahnen Schweiz die Branche aktiv mitgestalten will.