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«Wer informiert, vermeidet Einsprachen»

Jean-Marc UdriotJean-Marc Udriot  

Bauprojekte für Seilbahnanlagen sorgen relativ oft für Spannungen zwischen der Bauherrschaft und den Bewilligungsbehörden. Es geht aber auch anders: Im vergangenen Februar ist in Leysin nach gelungener Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten eine neue Sesselbahn eingeweiht worden. Jean-Marc Udriot, Direktor der Télé Leysin-Les Mosses-La Lécherette AG und Gemeindepräsident von Leysin, berichtet von seinen guten Erfahrungen.



 


Jean-Marc Udriot, bei der Einweihung Ihrer neuen Sesselbahn haben Sie erklärt, die Zusammenarbeit mit den Bewilligungsbehörden sei sehr konstruktiv gewesen. Wie ist das Projekt abgelaufen?
Das Projekt war in vier grosse Etappen gegliedert. Zuerst mussten wir die genaue Linienführung bestimmen und Lösungen zur besseren Vernetzung unserer beiden bisher getrennten Skigebiete suchen. Dann prüften wir die technische Machbarkeit der Anlage, die immerhin aus vier Abschnitten besteht. Es gab diverse Herausforderungen zu berücksichtigen, zum Beispiel, dass die Zwischenstation in einem sensiblen Gebiet mit einem Bach zu stehen kommen sollte. Schliesslich haben wir die Finanzierung geklärt und alle Bewilligungsgesuche eingereicht.

Wie habt ihr das Bewilligungsverfahren erlebt? Gab es «Knacknüsse»?
Ich habe festgestellt, wie gross die Komplexität der Sache ist, weil es zahlreiche Beteiligte gibt. Wirkliche «Knacknüsse» gab es keine, aber mit all den Akteuren wird die Koordination rasch sehr herausfordernd. Daher haben wir das Dossier sehr eng betreut, damit keine Zeit verloren geht.

Wie hat die Koordination mit der Aufsichtsbehörde geklappt?
Die Zusammenarbeit mit unserer Ansprechpartnerin beim Bundesamt für Verkehr (BAV) war ausgezeichnet. Die Dossierverantwortliche hat uns ernst genommen und gut beraten. Auch reagierte sie schnell und fristgerecht. Wir haben diese konstruktive und verlässliche Art der BAV-Vertreterin sehr geschätzt.

In der Branche werden die Vertreter der Bewilligungsbehörden manchmal als «Schreibtischtäter» bezeichnet, denen man machtlos gegenübersteht. Wie habt ihr es erlebt?
Im technischen Bereich haben die BAV-Mitarbeitenden stets die relevanten Themen angesprochen, was uns weitergebracht hat. Ein Beispiel dafür ist, dass wir für den Betrieb der Zwischenstation nur eine Person vorgesehen hatten. Das BAV hingegeben beharrte auf zwei Personen. Nun, am Ende der ersten Saison muss ich eingestehen, dass es mit nur einer Person unmöglich gewesen wäre. Ausserdem wollen wir in gewissen Fällen nicht das Verfahren vereinfachen, sondern die Bedingungen für den operativen Betrieb. Auf jeden Fall bin ich in Bern jedes Mal auf offene Ohren gestossen, wenn ich den Dialog suchte.

War die Bewilligungsbehörde offen gegenüber neuen Ideen?
Ja. Uns wurden nie Steine in den Weg gelegt. Die BAV-Mitarbeitenden haben immer versucht, die richtigen Fragen zu stellen, beispielsweise zur Pistenpräparation. Denn diese ist bei unserer Anlage äusserst kompliziert. Zudem waren sie nie stur. Ich glaube, dass auch das BAV ein Interesse daran hat, dass innovative Anlagen gebaut werden.

Mit welcher Grundhaltung seid ihr gegenüber den Behörden aufgetreten?
Da ich sein bald fünfzehn Jahren Gemeindepräsident von Leysin bin, ist es für mich etwas einfacher als für andere. Mit den Behörden muss man immer reden und ihnen gut erklären, was man machen will. Auf Kantonsebene werden wir im Waadtland für jedes Projekt von Anfang an begleitet, da wir jedes Seilbahnprojekt im Rahmen des Förderprogramms «Alpes vaudoises 2020» eingeben müssen.

Könnte es sein, dass Sie als Gemeindepräsident ein besonders gutes Sensorium haben, wie man mit Behörden umgehen soll, um sein Ziel möglichst reibungslos und rasch zu erreichen?
Ganz klar, weil ich die nötige politische Sensibilität habe, um mit Leuten zu diskutieren und vor allem sie zu informieren. Wer informiert, kann Einsprachen vermeiden.

Gibt es wichtige Aspekte des Projekts, die Sie rückblickend anders anpacken würden?
Ich denke, dass wir eine Saison früher bereit gewesen wären, wenn ich eine Person angestellt hätte, die das Projekt betriebsintern koordiniert hätte und ausschliesslich dafür gearbeitet hätte.

Was raten Sie den Kolleginnen und Kollegen anderer Unternehmen für deren Bewilligungsverfahren?
Jeder macht seine eigenen Erfahrungen, ich kann nur schwer Kollegen beraten. Aber ich glaube, dass wir auf kommunaler, kantonaler und eidgenössischer Ebene Personen haben, die bereit sind, zu diskutieren. Unser Problem ist, dass wir Unternehmer sind: Wir würden lieber schnell vorwärtsmachen, das ist normal. Doch das System sieht vor, dass wir mit allen reden müssen. Machen wir es, können wir trotzdem relativ schnell vorwärtskommen.

Talstation und Zwischenstation in einem: eine grosse Herausforderung.    
 
 

Die Sesselbahn Les Fers – Aï in Zahlen
Länge:                      1936 m
Höhenunterschied:     214 m
Fahrzeuge:               100
Stützen:                    20
Fahrzeit:                   7’38 Min
Kapazität:                 1600 Pers./h
Seilgeschwindigkeit:   5 m/s

 

Der Bau
7. Juni 2017:             Start Tiefbau- und Betonarbeiten
4. August 2017:         Ende Betonarbeiten
7. August 2017:         Ende Einbau Metallpfeiler
15. Dezember 2017:   Betriebsbewilligung


 


 
 

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