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Seilbahnbau

Symbiose von Schwerarbeit und High-Tech

In der Schweiz werden jedes Jahr durchschnittlich etwa zehn bis zwanzig Seilbahnen gebaut. Die meisten dieser Anlagen sind Sessel- und Gondelbahnen, bei einzelnen handelt es sich um grosse Pendelbahnen und Standseilbahnen. In der Regel ersetzen die neuen Bahnen bestehende Anlagen, die den modernen Komfort- und Leistungsansprüchen nicht mehr genügen.

Der Bau einer neuen Seilbahn stellt höchste Anforderungen an die Konstrukteure. Auf den ersten Blick sind Seilbahnen einfache mechanische Systeme: Kabinen hängen an einem Seil und werden durch Motorkraft an diesem Seil oder mit einem zweiten Seil in die Höhe oder zu Tal gezogen. Doch diese scheinbar simple Funktionsweise kommt erst durch das raffinierte Zusammenspielen zahlreicher Anlageteile zustande. Wer hinter die Kulissen einer solchen Anlage blickt, stellt fest: Seilbahnen sind komplexe technische Bauwerke.

Keine Konfektionsware, sondern alles nach Mass

Seilbahnen werden zwar industriell gefertigt. Sie sind jedoch keineswegs Produkte "ab Stange". Jede Seilbahnanlage ist eine massgeschneiderte Lösung für ein spezifisches Transportproblem. Seilbahnen können unterschiedlichsten Zwecken dienen: Sie lassen sich als leistungsfähige Zubringersysteme, als Verbindungsanlagen, als Materialbahnen usw. einsetzen. Je nach Verwendungszweck kommen verschiedene Systeme zur Anwendung – Standseilbahn, Pendelbahn, Gondelbahn, Sesselbahn oder Skilift.

Vermessung der Baustelle

Die Frage, welches System am besten geeignet ist, hängt unter anderem davon ab, wie das Gelände beschaffen ist, wie viele Fahrgäste pro Stunde zu befördern sind, welche Streckenlänge und welcher Höhenunterschied zu überwinden sind. Jeder Anlagetyp weist seine besonderen Eigenheiten und Vorteile auf.

Wie viel kostet eine Seilbahn?

Weil Seilbahnen keine Massenprodukte sind, lässt sich auch der Kostenrahmen nur sehr vage bestimmen. Je nach Seilbahntyp, Streckenlänge, Topographie und weiteren Faktoren sind Planungs- und Baukosten in der Höhe von mehreren Millionen Franken normal. Gegen unten wird das Spektrum begrenzt durch den Bau eines einfachen Skilifts, der ab etwa 200‘000 Franken kostet. Gegen oben dürfte die Grenze bei rund 30 Millionen Franken für eine grössere neue Pendelbahn liegen. Tendenziell noch kapitalintensiver können neue Standseilbahnen sein; je nach Trasseführung und Länge können dies schnell mal 50 Millionen Franken oder noch mehr sein.
Erstaunlicherweise werden Seilbahnen in der Regel in sehr kurzer Zeit gebaut. Das ist hauptsächlich auf die Klimaverhältnisse im Berggebiet zurückzuführen. In der Höhe herrschen oft noch bis in den Juni hinein winterliche Verhältnisse - Schnee, Kälte und Stürme verhindern zu dieser Jahreszeit noch ein zügiges Bauen, wie man es vom Flachland her kennt. Und schon im Frühherbst können frühwinterliche Kälteeinbrüche und Schneefälle die Bauarbeiten verzögern oder gar verunmöglichen. Bei den meisten neuen Seilbahnen muss überdies vor Baubeginn eine alte, ausgediente Vorläuferanlage abgebrochen werden; dadurch verkürzt sich die zur Verfügung stehende Bauzeit zusätzlich.

Aufwendiges Planungsverfahren

Bevor gebaut werden kann, muss die geplante Anlage ein aufwendiges Genehmigungsverfahren durchlaufen. Seilbahnen sind Transportanlagen, die einer Konzession durch den Bund bedürfen; für Kleinbahnen und Skilifte ist die Kantonsbehörde zuständig. In den Gesuchsunterlagen für die Konzession hat die Bauherrschaft ausführlich den Bedarf nach der neuen Bahn darzulegen. Ferner muss sie den Standort, das Bahnsystem, die Förderleistung und die Streckenführung begründen. Und schliesslich muss sie eine Wirtschaftlichkeitsrechnung aufstellen sowie die Auswirkungen auf die Umwelt aufzeigen. Seilbahnen Schweiz bietet seinen Mitgliedern über die Beratungsstelle Seilbahntechnik Unterstützung bei Planungs- und Realisierungsvorhaben an.


Foto Installationsarbeiten eines MastesInstallationsarbeiten

Installationsarbeiten

Unterdessen laufen bei den Bauunternehmungen, die den Auftrag für den Bau der neuen Anlage erhalten haben, die Vorbereitungsarbeiten an. Sobald die Konzession eintrifft, wird losgelegt. In der Regel werden zahlreiche Arbeiten parallel ausgeführt: Während die alte Anlage demontiert wird, entstehen bereits die Fundamente für die Stützen der neuen Anlage, und gleichzeitig werden die Gebäude für die neuen Tal- und Bergstationen errichtet. Wo eine neue Seilbahn entsteht, herrscht deshalb für einige Wochen reger Betrieb.

Beim Bau einer Seilbahn kommen sowohl das örtliche Baugewerbe als auch spezialisierte Firmen zum Zug. Handwerker aus der Umgebung errichten die Tal- und Bergstationen sowie die Fundamente für die Stützen. Für den elektromechanischen Bereich (Antrieb, Seile, Stützen, Rollen, Kabinen/Sessel, Steuerung) ist in der Regel eine Unternehmung aus der Seilbahnindustrie zuständig.


Foto Helikoptertransport vom BaumaterialHelikoptertransport

Steiles, unwegsames Gelände

Mit der Seilbahn überwinden Winter- und Sommerausflügler in kurzer Zeit und ohne Anstrengung grosse Höhenunterschiede und unwegsames Gelände. Beim Bau einer Seilbahn stellt gerade das steile und schwer zugängliche Terrain erhebliche Herausforderungen an die Bauarbeiter. Ferner tragen extreme Witterungsbedingungen, wie sie im Gebirge auch im Sommer immer wieder herrschen, das Ihre dazu bei, dass das Erbauen einer Seilbahn kein Zuckerschlecken ist.

Helikoptertransport

Für den Transport von Baumaterial und Anlagekomponenten werden daher, anders als im Flachland, oft Helikopter eingesetzt. Dadurch brauchen keine Transportstrassen für Lastwagen errichtet zu werden – unschöne Eingriffe in das Landschaftsbild können damit verhindert werden. Die Bauzeit kann obendrein wesentlich verkürzt werden. Bautransporte mittels Helikopter sind indessen eine anspruchsvolle Angelegenheit. Wegen der schweren Lasten werden spezielle Transporthelikopter eingesetzt. Obwohl diese Maschinen besonders wendig sind, verlangen sie den Piloten und den Bauarbeitern am Boden einiges ab. Bei der Montage von Seilbahnstützen beispielsweise müssen die tonnenschweren Einzelteile in millimetergenauer Präzisionsarbeit an die entsprechenden Schraubstellen der Fundamente herangebracht werden – ein Job für ebenso starke wie ruhige Arme.

Nach Abschluss der Bauarbeiten wird die neue Bahn erst einmal ausgiebig getestet. Anschliessend wird sie von der Konzessionsbehörde geprüft und für den Betrieb freigegeben. Nach dem ersten Schneefall, zur Eröffnung der Wintersaison, nehmen dann die Schneesportgäste die neue Anlage in Besitz.

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