
Investitionen in die Zukunft haben bei der Zermatt Bergbahnen AG eine lange Tradition. Seit der Erschliessung des Schwarzsees 1956/1957 wurde regelmässig gebaut, um die Kapazitäten zu erhöhen und neue Gebiete zu erschliessen. Allerdings spielte das Thema Umwelt- und Naturschutz seinerzeit bei Bauprojekten keine grosse Rolle, was auch in Zermatt zu Schäden führte. Der Baustart des neuen Matterhorn-Express im Jahr 2002 markierte für die Zermatt Bergbahnen den Startpunkt eines damals einzigartigen Projektes: Die Inventarisierung sämtlicher Schäden, die in der Vergangenheit durch die zahlreichen Baumassnahmen entstanden waren. Toni Lauber war als damaliger Bereichsleiter Bau für das Schadeninventar und die daraus folgenden Renaturierungsmassnahmen verantwortlich.
Aufgabenkatalog für 20 Jahre
Die ersten beiden Abschnitte des Matterhorn-Express wurden im Jahr 2002 als Ersatz für die alte Umlaufbahn Zermatt-Furi und die Pendelbahn Furi-Schwarzsee errichtet. Die Zermatt Bergbahnen AG war erst kurz vorher aus der Fusion mehrerer einzelner Betreibergesellschaften hervorgegangen, somit fehlte eine gemeinsame Dokumentation der vergangenen Bauausführungen und den daraus resultierenden Schäden an der Natur.
Im Rahmen des Projektstarts zum Matterhorn-Express entschied man sich daher, zunächst alle Schäden der Vergangenheit detailliert zu katalogisieren, um sie in den folgenden Jahren gezielt beheben zu können.
Dazu beauftragten die Zermatt Bergbahnen drei Umwelt-Ingenieurbüros, die im ganzen Gebiet der Zermatt Bergbahnen unterwegs waren, um die Schäden an Umwelt und Natur der vergangenen 46 Jahre aufzunehmen, zu begutachten und geeignete Wiederherstellungsmassnahmen zu entwickeln. Das Ergebnis war ein umfassendes Schadeninventar.
In den folgenden 20 Jahren arbeiteten die Zermatt Bergbahnen Jahr für Jahr die im Inventar aufgeführten Massnahmen ab und investierten dafür im Schnitt jährlich eine Million Schweizer Franken.

Vorbild für die Gemeinde Zermatt
Um die notwendigen Wiederherstellungs- oder Ersatzmassnahmen zu bestimmen, wird bei jedem Bauprojekt der geplante Eingriff mit den erwarteten Schäden auf die Natur anhand eines Punktesystems gewichtet. Die Renaturierungsmassnahmen im Schadeninventar waren nach demselben Prinzip gewichtet und konnten dadurch recht einfach den jeweiligen Bauprojekten zugeordnet werden. Dabei wurden die entsprechenden Renaturierungsmassnahmen wann immer möglich in dem Gebiet durchgeführt, in dem die Baumassnahmen stattfanden.
Das funktionierte so gut, dass später die Gemeinde Zermatt ebenfalls ein eigenes Schadeninventar erstellte. Dieses diente als Massnahmenkatalog für Renaturierungsmassnahmen bei öffentlichen Bauprojekten und wurde zusätzlich mit einem Fonds gekoppelt. Öffentliche Bauherrschaften haben seither die Möglichkeit, bei Bauprojekten in diesen Fonds einzuzahlen, dadurch entsprechende Massnahmen zu finanzieren und so ihrer Verpflichtung bezüglich Ersatzmassnahmen nachzukommen. Weiter besteht die Möglichkeit Projekte aus dem Schadeninventar direkt umzusetzen.
Erst im Jahr 2022, als alle Projekte aus dem Schadeninventar der Zermatt Bergbahnen AG abgearbeitet waren, griffen die Zermatt Bergbahnen im Rahmen des Baus der Gondelbahn Kumme sowie der Sanierung und Erweiterung der Beschneiungsanlagen auf das Schadeninventar der Gemeinde Zermatt zurück und renaturierten das Gletschervorfeld Stafel. Der gewichtete positive Effekt dieses Projekts überstieg sogar den errechneten Schaden des Bauprojekts. «Wir haben damals gesagt, wir machen grad das ganze Stafelvorfeld. Es macht ja keinen Sinn, da später noch einmal anzurücken», so Lauber. Die Zermatt Bergbahnen sind damit sozusagen im Plus und können dieses Plus auf künftige Bauvorhaben anrechnen lassen.
Preisgekröntes Begrünungsprojekt
Ein besonders erfolgreiches Projekt, welches ebenfalls im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Matterhorn-Express stand, war ein Pilotprojekt zur Hochlagenbegrünung, das die Zermatt Bergbahnen zusammen mit der Firma Schutz Filisur durchführten.
Dabei wurden auf einer Versuchsfläche typische einheimische Pflanzen in Form von lokalen Rasenziegeln eingepflanzt, auf einer weiteren Versuchsfläche wurden einheimische Samen ausgebracht, und eine dritte Fläche wurde sich selbst überlassen. Die Firma Schutz Filisur nahm dafür ortsspezifische Mutterpflanzen mit, gewann daraus die Samensaat und streute auf der Saatfläche die entsprechenden Samen aus. Einmal im Jahr wurden die Flächen kontrolliert, um zu verstehen, welche Vorgehensweise bei der Hochlagenbegrünung den grössten Erfolg verspricht.
«In Zermatt gibt es Pflanzengattungen, die nur gebietsspezifisch vorkommen. Manche gibt es nur am Rothorn, andere nur am Schwarzsee und wieder andere nur auf dem Gornergrat. Die dürfen nicht vermischt werden, sonst gibt es ortsfremden Bewuchs, und das muss unbedingt vermieden werden», so Lauber, dem auch 24 Jahre nach dem Projekt der Name Potentilla Multifida (Schlitzblattiges Fingerkraut) flüssig über die Lippen kommt. «Wegen dem hatte ich damals viele schlaflose Nächte, jetzt kann ich den Namen immer noch im Schlaf sagen», lacht er.
Im Jahr 2013 erhielten die Zermatt Bergbahnen für dieses Projekt den Begrünerpreis der Arbeitsgruppe Hochlagenbegrünung (AGHB) des Vereins für Ingenieurbiologie. Dieser wird alle zwei Jahre für besonders gut gelungene Renaturierungen im Bereich der Waldgrenze und höher verliehen, welche die Qualität und Nachhaltigkeit von Hochlagenbegrünungen fördern.

Wenn wir etwas machen, dann richtig
Nicht nur mit der Erstellung des damals einzigartigen Schadeninventars haben die Zermatt Bergbahnen eine Vorreiterrolle eingenommen. Auch beim Bau des Restaurants Matterhorn Glacier Paradise auf fast 4'000 Metern Höhe war das Unternehmen seiner Zeit voraus. Ursprünglich war das Gebäude «nur» als MINERGIE-Gebäude geplant, wurde aber auf MINERGIE-P hochgestuft und ist damit seit 2009 das höchstgelegene Restaurant mit dieser Auszeichnung. MINERGIE-P ist ein Schweizer Gebäudestandard für besonders energieeffiziente Passivhäuser. Der Standard bewertet das gesamte Gebäude und legt besonderen Wert auf Wärmedämmung, Luftdichtheit und kontrollierte Lüftung.
Damals wäre kaum jemand auf die Idee gekommen, eine Restaurant-Fassade mit Photovoltaikmodulen auszustatten. Die Zermatt Bergbahnen haben genau das getan und für die enorm ertragreiche PV-Anlage an der Südfassade des Bergrestaurants im Jahr 2010 sowohl den Schweizerischen als auch den Europäischen Solarpreis erhalten.

Weitere Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit
Aktuell (Herbst 2026) arbeiten die Zermatt Bergbahnen an der Rezertifizierung des Nachhaltigkeitslabels TourCert. In diesem Zusammenhang hat das Unternehmen eine Übersicht über sämtliche Nachhaltigkeitsmassnahmen erstellt und einen Nachhaltigkeitsbericht entlang der drei Säulen Ökologie, Soziales und Ökonomie verfasst.


