
Die zweite Tagung Pisten- und Rettungsdienst von Seilbahnen Schweiz und Rega ging erfolgreich zu Ende. Die Teilnehmenden waren zahlreich und widmeten sich den Themen Kommunikation, Verkehrssicherungspflicht, Technologie, Luftrettung und Medizin.
Am 30. und 31. März hat im Catrina Resort Disentis die zweite Tagung Pisten- und Rettungsdienst stattgefunden, erstmals gemeinsam von Seilbahnen Schweiz (SBS) und Rega organisiert. Über 170 Personen, hauptsächlich aus der Schweiz, mit Vertreter:innen aus anderen Alpenländern, waren anwesend. Die Organisatoren durften auf die Unterstützung der Sponsoren sureVIVE, Privatklinik Meiringen und Société Suisse des Explosifs zählen, und auf die vorzügliche Gastfreundschaft des Catrina Resorts und der Sedrun Disentis Tourismus AG.
Fokus Kommunikation: Handeln im Ereignisfall
Schwerpunkt des ersten Tages der Tagung war die Kommunikation bei Ereignissen: Wer kommuniziert? Wie kommuniziert man richtig? Die Teilnehmenden wurden zum Einstieg in die Thematik mit konkreten Fällen konfrontiert: Bernhard Tschannen stellte die Organisation der Krisenkommunikation von Glacier 3000 vor und zeigte auf beeindruckende Art und Weise auf, wie sich diese insbesondere beim Brand des Gipfelrestaurants Botta bewährt hat. Grundpfeiler der Kommunikation bei Glacier 3000 seien die klare Definition der Zuständigkeiten und das Spannungsfeld zwischen externer und interner Kommunikation, mit dem Ziel, auf beiden Ebenen Vertrauen zu schaffen. Hervorgehoben wurde die Wichtigkeit einer schnellen aber nie spekulativen Kommunikation, die einfach und verständlich sei. Die Ausstrahlung von Ruhe sei entscheidend, genauso wie die Kunst, transparent zu sein ohne die Preisgabe von internen Details. Schliesslich warnte Bernhard Tschannen vor Fehlern wie Mutmassungen über Ursachen und Schuld, Bekanntgabe von privaten Meinungen, emotionale Reaktionen und Weitergabe von Halbwissen und Gerüchten.
Fernando Bilgischer und Thomas Zurbriggen schilderten dem Auditorium ihre Erfahrung in Zusammenhang mit der tödlichen Lawine in Hohsass, einem traurigen Ereignis, das Betroffenheit auslöste. Ein Sicherheitsdispositiv für die Lawinensicherung und ein klarer Prozessablauf der Rettung, bei welchem auch die Kommunikation geregelt sei, seien zwar notwendige Voraussetzungen, jedoch sei nicht alles planbar. Die Referenten wiesen bei Pressemitteilungen für Ereignisse mit Personenschäden auf eine Zusammenarbeit mit der zuständigen kantonalen Organisation hin; für Todesfälle liefe die Kommunikation ausschliesslich über Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft. Nicht zu vergessen seien die Webkameras: Sie seien vom Netz zu nehmen, die Bilder müssen aber weiterhin gespeichert werden und zu Analysenzwecken zur Verfügung stehen.
Der restliche Nachmittag war für ein professionelles, auf die Pisten- und Rettungsdienst (PRD)-Branche massgeschneidertes Medientraining mit Beatrice Müller reserviert, Schweizer Journalistin, ehemalige Tagesschau-Moderatorin und Kommunikationstrainerin. Nach der Identifizierung der möglichen Stolpersteine wurden die wichtigsten Grundsätze festgehalten: Agierende statt reagierende Kommunikation, Medienkenntnis, Auftrittskompetenz und Newsverständnis. Was ist mitzuteilen, wie ist es mitzuteilen? Diesbezüglich spiele das Medium (audiovisuelle versus Print Medien) eine sehr wichtige Rolle.
Das Fazit aus dem ersten Tag wurde durch Berno Stoffel gezogen: Bei der Kommunikation seien viele Details wichtig; Es braucht ein stimmiges Konzept, klare Rollenverteilung und Verantwortung sowie Vorbereitung und Training, um Krisen erfolgreich zu bewältigen.
Praxis, Recht und Innovation im Einsatzalltag
Pascal Gaspoz, Chef Alpinpolizei Wallis, zusammen mit dem Bündner Staatsanwalt Patrik Bergamin, eröffnete den zweiten Tag mit den operativen und rechtlichen Herausforderungen zwischen Rettungs- und Polizeieinsätzen. Patrouilleur:innen seien hauptsächlich für Sicherheit, Erste Hilfe und Evakuierung zuständig. Zu ihren Aufgaben gehören aber auch die Absperrung des Bereichs, die Sicherung der Spuren und des Ortes mittels fotografischer Aufnahmen sowie die Aufnahme der Identitätsangaben von Beteiligten und Zeugen. In diesem Zusammenhang spielen die Patrouilleur:innen eine entscheidende Rolle für die Unterstützung der Polizei bzw. der Staatsanwaltschaft bei der Wahrnehmung ihrer Arbeit. Seilbahnunternehmen und Polizei verfolgen das gleiche Ziel: Sicherheit auf den Schneesportanlagen.
Es folgte die Präsentation der bisherigen Erfahrungen mit den Drohnen in Verbier: Drohnen sind nützlich, sie werden in den nächsten Jahren vermehrt zum Einsatz kommen, aber die Prozesse zur Erteilung der entsprechenden Bewilligungen und die Ausbildung der Piloten sind vom Zufall abhängig. Insbesondere was die Lawinensprengung anbelangt, sind die ortsfeste Fernsprengungsanlagen aktuell immer noch «State of the art».
Zudem durften die Anwesenden die aktuellsten Entwicklungen aus der Rechtsprechung und aus den Homologationen zur Kenntnis nehmen, dies in nach Sprache getrennten Gruppe.
Der Abschluss des Morgens war der Luftrettung und Medizin gewidmet: Das Plenum setzte sich unter Leitung von Rega-Fachleuten mit der Indizierung der Heli-Alarmierung und mit den ersten Erfahrungen auf den Skipisten mit dem neuen Heli H145D3 auseinander, welche sehr positiv eingestuft werden. Die durch die leistungsfähigere Maschine bedingten Änderungen wie Zunahme der Luftbewegung, Landung mit Kuven anstatt Rädern, hinterer oder seitlicher Patientenverlad seien bekannt, und die daraus folgenden Massnahmen implementiert: U.a. gehören Rettungsschlitten gesichert auf Platz, genauso wie genügend Abstand zu Unbeteiligten.
Am Nachmittag wurden im Rahmen von interdisziplinären Workshops (unter Leitung eines PRD-Chefs und eines Juristen) folgende Themen behandelt: Lawinenunfälle beim Freeriden, Kollisionen mit Schneilanzen, Stürze am Pistenrand, Verkehrssicherungspflicht auf saisonbedingt geschlossenen Anlagen wie Mountainbiketrail und Aufgebots- und Einführungsapplikation Alpine Rescue Mission Control.


