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Für Urs Dähler, Kaufmännischer Leiter der Säntis-Schwebebahn AG, ist gutes Personalmanagement eine Herzensangelegenheit. Und um die umworbenen Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, geht das Unternehmen auch mal ungewöhnliche Wege.
Vier-Tage-Woche und sechs Wochen Ferien in der Gastronomie geht nicht? Geht wohl!
Wie schafft man es, gute Köch:innen dazu zu bewegen, in einem etwas abgelegenen Restaurant auf der Schwägalp zu arbeiten? Zum Beispiel, indem man ihnen ungewöhnlich gute Arbeitsbedingungen bietet!
Bei der Säntis Schwebebahn AG gibt es schon seit Jahren die Vier-Tage-Woche für die Gastronomie. Urs Dähler erklärt: «Der Effekt von mehr Gehalt hält vielleicht zwei Wochen an. Wenn man die Leute dauerhaft an sich binden möchte, muss man ihnen etwas bieten, das sie nicht kaufen können – zum Beispiel mehr Freizeit.»
In enger Abstimmung mit den Gewerkschaften hat die Säntis-Schwebebahn AG zwei Arbeitsmodelle für die Gastronomie entwickelt, zwischen denen die Mitarbeitenden wählen können: Entweder 43.5 Wochenarbeitsstunden mit sechs Wochen Ferien oder 41.5 Wochenarbeitsstunden mit fünf Wochen Ferien. Die meisten entscheiden sich für das Modell mit 43.5 Wochenstunden und sechs Wochen Ferien, trotz längerer Arbeitstage. Wenn sie eh schon zur Schwägalp pendeln, bleiben sie lieber ein paar Stunden länger und haben dafür eine Woche mehr Ferien, so die einfache Rechnung.
Bei beiden Modellen wird die Wochenarbeitszeit auf vier Tage verteilt, an drei Tagen pro Woche haben die Mitarbeitenden frei. Da die Mitarbeitenden ihre Arbeitszeit flexibel planen können, sind so auch mal sechs freie Tage am Stück möglich, ohne dafür Ferien nehmen zu müssen. Um sicherzustellen, dass die Mitarbeitenden sich an den langen Arbeitstagen ausreichend erholen können, gibt es geregelte Pausen und einen Aufenthaltsraum, in den sie sich zurückziehen können.
Gelebte Inklusion füllt Lücken im Personalbestand
«Wir haben Arbeit, die Menschen mit Beeinträchtigung gut machen können, und wir haben zu wenig Personal. Dann muss es doch möglich sein, dass wir diese Menschen bei uns beschäftigen!» - für Urs Dähler ist das ein echter No-Brainer. Und so sind inzwischen insgesamt vier Personen mit IV bei der Säntisbahn angestellt.
Einer von ihnen arbeitet 50% im Büro und ist auf einen Rollstuhl angewiesen, was anfangs die Frage aufwarf, wie er überhaupt ins Büro kommen sollte. Im Gebäude ist zwar alles barrierefrei, aber draussen ist es gerade im Winter mit Schnee für Rollstuhlfahrende schwierig. An so etwas darf es nicht scheitern, fand Urs Dähler, und suchte nach Lösungen. Nun kommt der Mitarbeitende mit dem Mybuxi ins Büro, einem Bus, den man buchen kann.
Die Küche im Restaurant Schwägalp beschäftigt einen Hilfskoch mit leichter geistiger Beeinträchtigung. Er hat ein Zimmer auf der Schwägalp und kann sich dort als Hausabwart noch einen kleinen Nebenverdienst sichern. «Es muss einfach Platz haben für jemanden wie ihn!», so Urs Dähler.
Ausbildungs- und Beschäftigungschancen für Schutzberechtigte Personen
Auch die Integration von Personen mit Fluchthintergrund ist eine Herzensangelegenheit. Bei der Säntis-Schwebebahn AG sind derzeit (Stand Dezember 2025) rund 20 schutzberechtigte Personen (mit B-, F-, oder S-Ausweis) beschäftigt – mit dem klaren Ziel, dass möglichst viele von ihnen zunächst das EBA (Eidgenössisches Berufsattest) schaffen und anschliessend eine Lehre, bspw. als Köchin oder Koch, im Unternehmen absolvieren.
Davon profitieren beide Seiten: Köch:innen sind sehr schwer zu finden, und wer über diesen Weg eine Ausbildung bei der Säntisbahn machen konnte, bleibt dem Unternehmen in der Regel lange treu. Die Schutzberechtigten dürfen, wenn sie eine Lehre bei Gastrosuisse machen, ihren Lohn behalten und fallen nicht auf einen Lernendenlohn zurück, laut Dähler ein riesiger Vorteil. Aktuell haben sieben Beschäftigte mit Asylstatus das EBA bereits erhalten oder sind gerade dabei. Die Säntisbahn steht in engem Austausch mit dem Migrationsamt, das ihnen auf direktem Weg geeignete Personen vorschlägt.
Da Sprache der Integrationsfaktor Nummer 1 ist, viele der betroffenen Personen aber nicht mobil sind, hat das Seilbahnunternehmen gemeinsam mit dem Kanton eine Lösung gesucht – und auch gefunden: Anstatt 20 Personen durch die Gegend zu fahren, kommt der Lehrer jetzt zur Seilbahn und unterrichtet die Beschäftigten dort. Der Kanton übernimmt die Kosten von Personen, die in mindestens 80% der Unterrichtsstunden anwesend sind. Das hat 2025 nur bei rund der Hälfte der Teilnehmenden geklappt, weshalb die Säntisbahn die Kosten gedeckt hat. Künftig sollen möglichst alle Teilnehmenden die Mindestquote erreichen.
Wegen Neubau geschlossen – Mitarbeitende trotzdem versorgt
Von Anfang Mai bis in den Spätherbst 2026 finden am Säntis Bauarbeiten für den Bahnersatz statt. Der Gipfelbetrieb wird in diesem Zeitraum geschlossen und auch auf der Schwägalp rechnet Dähler mit einem Rückgang. Um die Schliessung für die Beschäftigten so verträglich wie möglich zu machen, hat das Seilbahnunternehmen unter anderem einen eigenen Personalverleih ins Leben gerufen. Denn gerade in den Sommermonaten haben viele Unternehmen in der Region einen erhöhten Personalbedarf, den sie dann mit den geschulten Mitarbeitenden der Säntisbahn decken können. Interessierte Unternehmen können ihre offenen Stellen für den entsprechenden Zeitraum auf einer eigens dafür eingerichteten Online-Plattform veröffentlichen, auf die interessierte Mitarbeitende der Säntisbahn sich dann bewerben können. Gleichzeitig können die Mitarbeitenden der Säntis-Schwebebahn AG auch ein eigenes Profil anlegen und so von Unternehmen angesprochen werden, die passende Stellen anbieten.
Der Vorteil für die Mitarbeitenden: Sie bleiben bei der Säntis-Schwebebahn AG angestellt und versichert und werden den aufnehmenden Betrieben in Rechnung gestellt. So haben sie die Sicherheit, nach dem Unterbruch in ihren Job zurückkehren zu können und haben trotz der Schliessung weiterhin ein Einkommen. Wer das nicht möchte, kann unbezahlten Urlaub nehmen. Die Pensionskassenbeiträge werden dann von der Säntisbahn weiterbezahlt.
Urs Dähler ist zuversichtlich, auf diesem Weg bis zum Frühling 2026 für alle Mitarbeitenden eine Übergangslösung zu finden. Denn, so sagt er, der Zusammenhalt in der Region ist gross und am Ende profitieren alle. Deshalb hofft er auch, dass solche Ansätze in der Branche in Zukunft noch viel stärker genutzt werden.
Kleine Goodies sorgen für Freude und weniger Aufwand
Doch auch mit kleineren Goodies macht die Säntis-Schwebebahn AG ihren Angestellten gerne mal eine Freude. Bspw. fällt gemäss L-GAV (Landesgesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes) bei Angestellten mit 100 % Pensum ein Verpflegungsabzug von CHF 280.- pro Monat an. Das musste früher immer jemand bei den Mitarbeitenden einkassieren, CHF 10.- pro Menu, mühsam für alle. Inzwischen werden einfach CHF 180.- pauschal abgezogen. Das freut die Mitarbeitenden, weil sie monatlich CHF 100.- geschenkt bekommen, und die Säntis-Schwebebahn spart eine Menge administrativen Aufwand. Ähnlich pragmatisch geht das Seilbahnunternehmen mit den Mittagspausen um. Hier wird nicht mehr ein- und ausgestempelt, sondern einfach 30 min abgezogen. Und wenn eine Pause mal ein Bisschen länger dauert, ist das auch in Ordnung. Denn in den Pausen wird ja meistens über’s Geschäft geredet, so Dähler.
Natürlich muss auch immer mal Zeit für den Zusammenhalt der gesamten Belegschaft sein. Alle zwei Jahre wird das gesamte Unternehmen geschlossen, und dann kommen wirklich alle zusammen und unternehmen etwas gemeinsam. So haben auch diejenigen, die sich sonst nie treffen würden, die Gelegenheit, sich kennenzulernen.
«Arbeiten bei uns ist sicher kein Ponyhof, aber man muss sich doch um seine Mitarbeitenden kümmern und schauen, dass es ihnen gut geht!» Urs Dähler, Kaufmännischer Leiter Säntis-Schwebebahn AG
Weitere Engagements
Wer bei der Säntis-Schwebebahn AG arbeitet, hat sowieso ein «Natur-Gen», sagt Urs Dähler. Es ist also völlig klar, dass das Unternehmen seine Verantwortung für Umwelt und Natur ernst nimmt. Das bestätigt auch das nationale Nachhaltigkeitsprogramm Swisstainable und stuft die Säntis-Schwebebahn AG mit Swisstainable Level III auf der höchsten Stufe ein. Neben dem vorbildlichen Personalmanagement waren dafür u.a. die Zusammenarbeit mit lokalen Produzent:innen, die Förderung der regionalen Kultur, die Naturpflege durch einen eigenen Ranger sowie kreative Lösungen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung ausschlaggebend.
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